Buchara


Buchara
I
Buchara
 
der, -(s)/-s, Sammel- und Handelsname für turkmenische Knüpfteppiche, die über die Stadt Buchara gehandelt werden; aus Schafwolle, mitunter auch aus Seide. Der Fond hat meist zwei oder drei Reihen Oktogone (Gül), die geviertelt und wellenartig umrandet sind, im Innern kleine Sterne oder Oktogone. In den Bordüren sind u. a. Sternchen, Dreiecke, Schrägbalken, Rauten. Die Grundfarbe des Bucharas ist ein tiefes Rot, die Musterfarben sind v. a. Hellrot, Weiß, Blau.
II
Buchara,
 
Gebietshauptstadt in Usbekistan, im Tal des Serawschan gelegene Oasenstadt in der Sandwüste Kysylkum, 249 600 Einwohner; medizinische, technische (für Leicht- und Lebensmittelindustrie) und islamische theologische Hochschule (Mir-Arab-Medrese), Stadtmuseum mit der Zitadelle »Ark«; Verarbeitung von Baumwolle und Seide, Fernsehgerätebau, traditionelles Kunsthandwerk (Goldstickerei, Seiden- und Teppichweberei), Bearbeitung von Karakulschaffellen; Flughafen. Bei Buchara bedeutende Erdgasförderung (u. a. bei Gasli).
 
 
Aus der Zeit der Samanidenherrscher ist das Ismail-Samani-Mausoleum (9.-10. Jahrhundert) erhalten. Von der Blütezeit der Stadt im 11./12. Jahrhundert zeugen das Kaljan-Minarett (1127), die Magoki-Attari- und Namasgoch-Moschee (12. Jahrhundert). Zu den Bauten, die im 14./15. Jahrhundert entstanden, gehören die Ulug-Beg-Medrese (1417/18, 1585) und zwei Mausoleen (14. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert erfolgte unter den usbekischen Schaibanidenherrschern eine städtebauliche Neuordnung (elf Stadttore u. a.): Mir-Arab- (1535/36) und Abdullah-Khan-Medrese (1588-90) und Kaljan-Moschee (1514), eine der schönsten Moscheen Mittelasiens; Abdulasis-Khan-Medrese (1652). Die Altstadt ist ein malerisches Ensemble mit vielen arabisch-asiatischen Baudenkmälern, vorwiegend des 16. Jahrhunderts. Die historischen Bauten wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die durch Erdbeben im April und Mai 1976 zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut.
 
 
Buchara wurde nach archäologischen Funden nicht später als im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründet, jedoch beginnen erst mit der islamischen Eroberung zuverlässige Überlieferungen. Die im Raum Buchara und Samarkand (Transoxanien) ansässigen Sogdier (Sogdiana) kamen 709 unter arabisch-islamische Oberherrschaft (Sitz eines Emirats innerhalb der Provinz Chorasan). 875 wurde Buchara Hauptstadt der Samaniden, die 999 von den türkischen Iligchanen vertrieben wurden. 1220 eroberten die Mongolen unter Dschingis Khan Transoxanien und zerstörten Buchara. 1369 wurde Transoxanien von Timur (Verlegung der Hauptstadt nach Samarkand), 1500 von den usbekischen Schaibaniden eingenommen. Der Schaibanide Abdullah machte Buchara 1557 zu seiner Residenz. Nach dem Zerfall des Schaibanidenreiches wurde Buchara Ende des 16. Jahrhunderts Hauptstadt des Emirats Buchara, dessen Herrschaft unter der Dynastie der Mangit (seit 1785) zeitweilig über ganz Turkestan ausgedehnt war. 1868 musste das Emirat Buchara die russische Oberherrschaft anerkennen. Es wurde am 2. 9. 1920 durch Volksaufstand gestürzt. 1920-24 war Buchara Hauptstadt der sowjetischen Volksrepublik Buchara.

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Bu|cha|ra, der; -[s], -s [nach der Stadt Buchara in Usbekistan]: handgeknüpfter turkmenischer Teppich mit einem tiefen Rot als Grundfarbe.

Universal-Lexikon. 2012.

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